Laufener Landweizen

Triticum aestivum

Historischer Winterweizen

Der Laufener Landweizen ist eine historische Winterweizensorte aus dem Rupertiwinkel, welcher früher Teil von Salzburg war, heute aber zu Bayern gehört.

Weizen zählt zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt (Belege aus der jüngeren Steinzeit, ca. 5000-1800 v. Chr.). Im Rupertiwinkel lässt sich die Kultivierung über Jahrtausende nachweisen. Durch sich stetig verändernde Umweltbedingungen, bäuerliche Auslese und Saatgutverbreitung innerhalb der Regionen bildeten sich spezielle Nutzpflanzenvarianten heraus - wiederzufinden in eben diesen lokalen Landsorten. In einem Fragment des ältesten erhaltenen "Urbars" aus dem 12. Jahrhundert wird im Amt Piding die Abgabe von Weizen an erster Stelle genannt. Weizen war über die Jahrhunderte das Luxusgetreide der Region und das "Schöne Brot aus weißem Mehl" hatte seit jeher den Rang des Kostbaren - es war somit vor allem den herrschenden Schichten vorbehalten. Spätere Quellen zur Agrargeschichte sind in den Urbarbeschreibungen von Salzburghofen (Freilassing) aus dem Jahr 1606 und Lebenau (Laufen) 1626 verzeichnet. Weizen, "waiz", wird auch hier an erster Stelle genannt. Der "letzte Pfleger von Laufen", Johann Andreas Seethaler, notiert 1802: "Der Boden liefert Getreide von allerlei Gattung, nämlich Korn (= Roggen), Weizen, Gerste, Haber."

Der Name "Laufener Landweizen" ist als zusammenhängender Terminus erstmals 1976 erwähnt: Das vom Verschwinden bedrohte Getreide wird in diesem Jahr in die Genbank Braunschweig eingelagert. Aufgrund seines geringeren Ertrages (etwa eine Drittel) im Vergleich zu hochgezüchteten Sorten drohte die Regionalsorte ganz von der Bildfläche zu verschwinden.

Ein durchgehender Demonstrationsanbau ist zwar ab 1981 für das Heimatmuseum Amerang (Oberbayern) dokumentiert, aber letztendlich "gerettet" und zukunftsfähig hat ihn der Landschaftsplaner und Landschaftsökologe Heinz Marschalek von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) gemacht, der den Landweizen 1996 für ein Feldflorareservat aus etwa 40 Körnern vermehrte.

Dem "modernen Vater des Laufener Landweizens" und dessen Engagement ist es zu verdanken, dass das Wissen um die historischen Hintergründe und das anbautechnische Know-how weitergegeben werden kann.

Seit 2007 steht dank seiner Initiative eine ausreichende Menge an Saatgut zur Verfügung, das ausschließlich Bio-Bauern vorbehalten ist.

Der Geschmack des Laufener Landweizens ist nussig und sehr angenehm, in der Verarbeitung sind besonders die ausgezeichneten Backeigenschafen zu erwähnen: Das aus dem Weizen gewonnene Gebäck bleibt lange frisch und saftig.

Laufener Landweizen ist die derzeit einzige erhaltene "unverzüchtete" alte Landsorte der Region. Darauf deuten die für alte Landsorten "typischen Backeigenschaften" und nicht zuletzt die Ergebnisse der Inhaltsstoffanalyse hin. Die Analyse der Ernten aus 2016 und 2017 zeigten ein Profil der Inhaltstoffe, das weitgehend originär ist.

Interessant ist, dass bestimmte Mineralstoffe, wie Silicium (wichtig für Immunsystem und Knochen), sehr hoch im Landweizen konzentriert sind. Signifikant hoch ist der Gehalt an Carotinoiden (wichtig für den Schutz der Haut vor der Sonne).

Der Laufener Landweizen stellt in vielerlei Hinsicht eine Besonderheit dar. Salzburg und der bayerische Rupertiwinkel - das Herkunftsgebiet der alten Landsorte - sind durch eine wechselvolle gemeinsame Geschichte eng miteinander verknüpft. Das Salzburger Alpenvorland, eine "historische und landschaftliche Einheit, ein Stück Land vor den Bergen" bietet klimatische Verhältnisse, die den Getreidebau seit jeher begünstigen.

Die einstige "Kornkammer Salzburgs" bietet Boden und Klima, die diesen außergewöhnlichen Weizen hervorgebracht haben.

Der Laufener Landweizen ist robust im Wuchs, winterhart und gilt als vergleichsweise anspruchslos. Er kommt mit der regenreichen Witterung gut zurecht, zeigt hohe Pilzresistenz und Standfestigkeit. Dabei ist er mit seiner Wuchshöhe von bis zu 2 Metern und den langen Grannen beeindruckend schön.

Ansprechpartnerin:

Tanja Maurer
Biosphärenregion Berchtesgadener Land
Sägewerkstraße 3 D-83395 Freilassing

Telefon: 08654/30946-10

Projektverantwortlich:

Dr. Wolfram Adelmann
Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL)
Fachbereich 3: Angewandte Forschung und internationale Zusammenarbeit
Seethalerstraße 6
83410 Laufen

Telefon 08682/8963-55