Schwäbische Maultaschen

Herrgottsb'scheisserle, Schwäbische Suppenmaultaschen

Spinat ist das besondere Merkmal der Taschen

Spinat ist das besondere Merkmal der Taschen

Schwäbische Maultaschen sind Teigtaschen mit einer Füllung aus Fleisch- bzw. Gemüsebrät. Besonderes Merkmal ist der Spinatanteil in der Füllung. Sie haben eine viereckige oder strudelförmige Form und werden zum Verzehr gebrüht oder geröstet. Suppenmaultaschen sind kleiner. Als Bestandteil eines mehrgängigen Mittagsmenüs werden Maultaschen zuerst mit etwas Brühe verspeist. Als zweiten Menügang verzehrt man geschmälzte Täschchen. Am nächsten Tag brät man die übrig gebliebene Teigware mit etwas Ei und gibt bunte Salate dazu.

Im Teigmantel war das Fleisch gut getarnt

Um die Herkunft der Maultasche ranken sich zahlreiche Legenden und Erzählungen. Das Wissen über den Ursprung gründet sich vor allem auf mündlich tradierte Überlieferungen, welche erst in neuerer Zeit schriftlich fixiert wurden. Die erste urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahre 1831. Der königlich württembergische Prälat Johannes Christoph von Schmid beschrieb zur dieser Zeit die Maultasche als "gefüllte Nudel aus Schwaben". Eine ähnliche Formulierung findet sich 1885 auch in dem Standardwerk der Gebrüder Grimm mit der Ergänzung "meist mit Spinat gefüllt" im schwäbischen Wörterbuch.

Der wohl populärsten Herkunftslegende zufolge ist die Maultasche eine Erfindung der Zisterziensermönche des Klosters Maulbronn.


So wird erzählt, dass die Zisterzienser im 17. Jahrhundert, während des Dreißigjährigen Krieges, zur Fastenzeit ein großes Stück Fleisch erhielten. Um den Eindruck eines fleischlosen Mahles zu erwecken, sollen sie es klein gehackt und mit Kräutern und Spinat gemischt haben. Zur besseren Tarnung sei die Mischung schließlich in einem Nudelteig versteckt worden, der in kleine Portionen geteilt wurde. Der Name Maultasche hätte sich demnach ursprünglich aus der Bezeichnung "Maulbronner Nudeltaschen" abgeleitet. Später wurden sie auch als "Herrgottsb'scheißerle" bezeichnet. Ursprünglich galten die schwäbischen Maultaschen, wie auch die heute so beliebten Ravioli oder Pizzen, als Arme Leute-Essen, denn alle Reste der vorhergehenden Tage, wie z. B. restliches Siedfleisch, hart gewordenes Brot oder altes Gemüse, konnten bei diesem Gericht noch einmal auf wunderbare Weise vereint werden. Heute sind Maultaschen längst salonfähig. Gefüllt mit Wachtelfleisch, Kalbsbries oder Morcheln, stellen sie die edle Variante dar. Wie auch immer, es gibt nichts, was man nicht in diese Taschen einbauen könnte. Ganz nach dem Motto: "En de kloinschte Däschla, send oft de beschte Sächla" ("In den kleinsten Taschen, sind oft die besten Sachen").

Geschützte Spezialität

Schwäbische Maultaschen sind seit Oktober 2009 als geschützte geografische Angabe (g.g.A.) gemäß der Verordung (EU) 1151/2012 bei der EU eingetragen (siehe Durchführungsverordnung (EU) Nr. 991/2009). Damit ist diese Bezeichnung in allen Mitgliedsstaaten der Gemeinschaft geschützt und darf nur von Erzeugern genutzt werden, die die Vorgaben des Einzigen Dokuments einhalten. Diese werden in einer jährlich von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft aktualisierten Herstellerliste veröffentlicht.