Blauer Silvaner

Schwarzer Silvaner, Schwarzer Österreicher

Der Blaue Silvaner ist ein Unikum unter den fränkischen Weinen. Beim Blauen Silvaner handelt es sich um einen besonderen Weißwein aus blauen Weinbeeren. Die Traubenbeeren des Blauen Silvaners sind mittelgroß und dicht besetzt, von rundlicher Form.

Eine Besonderheit ist die Färbung der Beeren:

In der Reifezeit nehmen diese eine dunkelrotviolette oder blaue Farbe an.

Daher auch der Name „Blauer Silvaner“, obwohl es sich um einen Weißwein handelt. Reben vom Blauen und Grünen Silvaner sind bis zur Reifezeit fast nicht voneinander unterscheidbar.

Um eine Rotweinsorte handelt es sich aber nicht, weil der Wein bei der Maischegärung nicht viel Farbe abgibt.

Grund dafür sind kaum vorhandene Pflanzenfarbstoffe im Fruchtfleisch und in der Beerenhaut, die normalerweise für eine dunkelrote (violette, blaue oder blauschwarze) Färbung beim Rotwein sorgen. Mit einer gewissen Maischestandzeit, je nach Ausbaurichtung, kann der Wein des Blauen Silvaner kupfergolden bis lachsrot werden.

Im Durchschnitt erreicht der Blaue Silvaner mindestens einen genauso hohen Öchslegrad wie der Grüne Silvaner.

Durch den höheren Gerbstoffgehalt in der Beerenschale des Blauen Silvaners unterscheidet er sich in der Aromazusammensetzung vom Grünen Silvaner: Töne von reifer Birne, Quitte, Honig sind reduziert. Apfel, Stachelbeere und Gras/vegetativ lassen sich in ähnlicher Ausprägung wie beim Grünen Silvaner feststellen.

Der Blaue Silvaner ist ein Weißwein mit einem besonderen Charakter. Die Weine sind meist vollmundig, mit Kräuteraromen und haben bei einer kurzen Maischestandzeit einen besonders angenehmen rotgoldenen Farbschimmer.

Spezifisch ist eine Mischung aus mineralischen und sehr feinen Bitterstoffen.

Der Silvaner ist die typische fränkische Weißwein-Rebsorte. Sie wurde erstmalig 1659 urkundlich erwähnt. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war der Silvaner als gemischter Satz verbreitet, zu dem auch der Blaue Silvaner gehörte. Dieser ist zusammen mit dem Grünen, Gelben und Roten Silvaner Ergebnis der Einteilung der Silvanerrebe nach der Farbe der Beeren.

Es ist bis heute unklar, ob der Blaue Silvaner die Ursprungsrebe des Grünen Silvaners oder eine Variation desselben ist.

Erwähnt bzw. beschrieben wird der Blaue Silvaner im „Handbuch über die Obstbaumzucht und Obstlehre“ bereits um 1804 und in „Der Rheinische Weinbau“ um 1827.

Diese Rebsorte war demnach zwar bekannt, aber neben dem Grünen, Gelben und Roten Silvaner eben nur als Bestandteil des Alten Fränkischen Satzes. Auf einzelne Varianten des Silvaners wurde lange nicht viel Wert gelegt.

Der Sommerhäuser Winzer und Rebenzüchter Kaspar Steinmann sammelte 1964, kurz vor der Lese, Silvanerstöcke in alten Weinbergen mit blauen Trauben. Die Sorte "Blauer Silvaner" ließ er 1984 schützen.

Der Blaue Silvaner darf sowohl als "Blauer Silvaner" als auch als "Silvaner" vermarktet werden.

Das Slow Food Convivium Hohenlohe-Tauber-Mainfranken, der Fränkische Weinbauverband und die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau setzen sich gemeinsam für den Blauen Silvaner ein (s. unten Schutz und Kontakt).

Die Anbaufläche des Blauen Silvaners betrug 2018 nach den Erhebungen des Statistischen Bundesamtes 29 Hektar der bestockten Rebfläche Deutschlands: Das entspricht etwa einem Prozent der gesamten Silvaner-Anbaufläche.

Das Anbauzentrum in Franken ist Randersacker.

Der Blaue Silvaner ist ein Passagier der Arche des Geschmacks. Das internationale Projekt der Slow Food Stiftung für Biodiversität schützt weltweit etwa 5.000 regional wertvolle Lebensmittel, Nutztierarten und Kulturpflanzen vor dem Vergessen und Verschwinden, die unter den gegenwärtigen ökonomischen Bedingungen am Markt nicht bestehen oder "aus der Mode" gekommen sind.

Slow Food Mainfranken Hohenlohe
Gerd Sych
Arndtstr. 22
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0931/783411

Fränkischer Weinbauverband e.V.
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97076 Würzburg

0931/39011-0
www.frankenwein-aktuell.de

 

--> Weitere Informationen, wie z.B. zur Vielfalt des fränkischen Silvaners, finden Sie auch auf den Internetseiten der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG).