Freisinger Landweizen

Der Freisinger Landweizen ist eine alte regionale Sommerweizensorte aus Oberbayern. Sie wurde durch Dr. Klaus Fleißner von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft wieder zum Leben erweckt. 

Über 300 bayerische alte Weizensorten wurden aus der Gendatenbank des Leibniz-Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben angefordert, gesichtet und charakterisiert. Darunter auch der Freisinger Landweizen, eine alte regionale Landsorte.

Landsorten, anders als Zuchtsorten, werden oft nicht in der landwirtschaftlichen historischen Literatur erwähnt, weshalb es meist Detektivarbeit erfordert, mehr über die Herkunft der alten Sorten zu erfahren.

Als erste Spur wurde schon herausgefunden, dass der Freisinger Landweizen wohl mit dem Opferbaumer Begrannten, einer Landweizensorte aus Opferbaum bei Würzburg, verwandt ist.

Die Besonderheit bei der Sichtung des Landweizens: Es wurden insgesamt drei Akzessionen (Ausprägungen) des Freisinger Weizens in der Datenbank gefunden: sowohl begrannte als auch unbegrannte. Beim ersten Versuchsanbau in Ruhstorf wurden alle drei ausgesät. Sie unterschieden sich sowohl in ihren äußeren Merkmalen als auch im Ertragsniveau und ihrer Lageranfälligkeit. Nach ersten Backversuchen wurde aufgrund von agronomischen und qualitativ besseren Werten die unbegrannte Variante weiter vermehrt.

Der Sommerweizen ist - wie viele alte Weizensorten - sehr langstrohig und hat eine durchschnittliche Halmlänge von 100 cm. Bei mäßiger Düngung ist die Sorte aber relativ standfest. Sie ist mittelmäßig anfällig gegen Krankheiten, aber anfällig für die Halmfliege, die je nach Befallsintensität Ernteverluste verursachen kann. Das Ertragsniveau liegt bei etwa 30 dt/ha, also deutlich unter dem der modernen Sommerweizensorten.

Anfang 2020 wurden in Zusammenarbeit mit der Bäckerei Geisenhofer in Freising erste Backversuche gestartet. Stefan Geisenhofer legt in seiner Bäckerei viel Wert auf regionale Rohstoffe und traditionelles Genusshandwerk. Er hat aus dem Landweizen Brot und Brötchen mit nussig mildem Aroma entstehen lassen. Dafür braucht es eine längere Teigführung und viel handwerkliches Geschick, aber auch ein Gespür für die Besonderheit des alten Kulturschatzes.

Für die nächsten Jahre ist eine weitere Ausdehnung des Anbaus geplant. Bäcker Geisenhofer möchte dann eine eigene Produktschiene aus dem Freisinger Landweizen entwickeln.

So kann der Freisinger Landweizen als agrarhistorisches kulinarisches Erbe wieder in seine Heimat zurückgebracht werden.

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft 
Institut für Pflanzenzucht, Pflanzengenetische Ressourcen 
Dr. Klaus Fleißner 
Tel. 08161 71-2481 
klaus.fleissner(at)lfl.bayern.de

Bäckerei Geisenhofer 
Stefan Geisenhofer 
Tel. 08161 62055 
info(at)baeckerei-geisenhofer.de