Bamberger birnenförmige Zwiebel

Birnförmige Zwiebel, Hallstadter birnenförmige Zwiebel

Warum die Bamberger Zwiebeltreter sind

Warum die Bamberger Zwiebeltreter sind

Anfangs des 17. Jahrhunderts waren die Bamberger Gärtner nicht nur wegen des Anbaus von Süßholz und Schwarzwurz, sondern auch wegen des Anbaus großer Mengen von Zwiebeln bekannt. Beim Zwiebelanbau ist es wichtig, darauf zu achten, dass das aus der Erde sprießende Grün, die Schlotten (Zwiebelblätter), nicht zu sehr in die Höhe wächst, damit die Nährstoffe des Bodens nur für die unterirdische Zwiebelknolle genutzt werden.

Die Bamberger Gärtner banden sich daher, wenn die Zwiebeln zu sehr "ins Kraut geschossen" waren, kleine Brettchen an die Schuhe.


Damit gingen sie über die Zwiebelfelder, um die Schlotten niederzutreten. Dies konnte man früher vor allem im Juni, um Johanni herum, beobachten. Daraus entstand ein Spitzname für alle Bamberger, der bis in die heutige Zeit erhalten blieb: die Zwiebeltreter. Geschwafel, das man schon manchmal an fränkischen Wirtshaustischen nach dem Genuss einiger Seidla süffigen Bieres hören kann, bezeichnet man in Franken auch als Zwiebeltreterei.

Würziger Geschmack und hoher Gehalt an Senfölen

Die Bamberger birnenförmige Zwiebel ist eine milde, feste Gemüsezwiebel, die sich leicht in Ringe ziehen lässt. Sie zeichnet sich durch einen würzigen Geschmack und einen besonders hohen Gehalt an ätherischen Senfölen aus. Der Feldanbau der Bamberger birnenförmigen Zwiebel findet vorwiegend auf kleinen landwirtschaftlichen Flächen statt. Die Haupterntezeit liegt zwischen August und Oktober: Wenn im Herbst das Laub abgestorben ist, werden die Zwiebeln ausgegraben, getrocknet und während des Winters luftig, trocken und frostfrei aufbewahrt. Um eine übermäßige Schosserbildung und zu frühes Austreiben der Steckzwiebeln zu verhindern, sollte man sie in einem Netz hinter dem Ofen oder über dem Herd trocknen ("darren") und dann einlagern.

700 Jahre städtischer Gartenbau

Kaum eine andere Region wird aus innerstädtischen oder stadtnahen Anbauflächen so unmittelbar frisch mit nahezu allen verfügbaren Gemüsesorten versorgt, wie Bamberg. Die Ursprungsregion ist die Bamberger Gärtnerstadt selbst, die etwa ein Drittel der Bamberger Altstadt und damit auch ein Drittel des UNESCO-Weltkulturerbes „Altstadt Bamberg“ umfasst und die Reste der ursprünglich vor der Stadt gelegenen, heute in die östlichen Stadtviertel integrierten Gärtnerfluren. Naturräumlich liegt das Gebiet in der Kernzone der Flussniederung an der Mündung der Regnitz in den Main, die als „Bamberger Becken“ bezeichnet wird. Dabei handelt es sich vor allem um Schwemmsandböden im Talgrund, die zusammen mit den hoch entwickelten Fertigkeiten des Bamberger Gärtnerstandes für die besonders feine Qualität, die dem Bamberger Rettich wie allem anderen Bamberger Gemüse in der einschlägigen Literatur seit etwa 1800 generell attestiert wird, verantwortlich sind.

Schon Mitte des 14. Jahrhunderts sind in der Oberen Gärtnerei um St. Gangolf, der sog. Theuerstadt, Gärtnerfelder belegt.

 

1368 wird ein erster Gärtner, Fritz Pleinser, genannt, 1416 ein Keimgarten und 1426 schließlich ein Pflanzgarten belegt. Um 1400 sind in dem Gebiet etwa 30, um 1450 bereits etwa 70 Gärtnerfamilien ansässig. Wenige Jahrzehnte später fasst der Chronist Johannes Boemus sein Lob an die Bamberger Gärtner in Worte: "Keine Landschaft Deutschlands erzeugt mehr größere Zwiebeln, keine größeren Rüben und Kohlköpfe." Der berühmte Zweitlersche Stadtplan Bambergs von 1602 belegt die charakteristische Entwicklung des Bamberger Gärtnerviertels entlang einzelner Straßenzüge wie Mittel- und Heiliggrabstraße, Tocklergasse, Josefstrasse, Theuerstadt, Ehrlichstraße usw. Die entlang dieser Straßenzüge gelegenen Hofstellen verdichteten sich bis ins 18. Jahrhundert zu Zeilen und umschlossen allmählich die innen liegenden Felder. Dadurch entwickelte sich in den Innenbereichen ein optimales Kleinklima, durch das sich gerade diese Flächen in der Anzucht von Frühkulturen zu entscheidenden Standortvorteilen entwickelten. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts gab es bereits 540 Gärtnerfamilien und an die 400 Gesellen. Um 1900 zählte man schließlich 700 Gärtnermeister. Diese Zeiten sind in der Bamberger Gärtnerei aber längst Vergangenheit. Heute haben sich die Bamberger Gartenbaubetriebe zu einer Interessensgemeinschaft unter dem Markennamen "Gutes aus der Gärtnerstadt" zusammengeschlossen, um sich für den Erhalt der Gärtnerstadt in ihren überkommenen Strukturen, aber vor allem für die unvergleichliche Produktpalette des Bamberger Gemüses einzusetzen.

Kontakte

Gärtner- und Häckermuseum
Dr. Hubertus Habel
Mittelstr. 34
96052 Bamberg
Telefon 0951/30179455
www.ghm-bamberg.de