Bayerisches Rotes Höhenvieh

Rotvieh

Charakteristik

Diese sehr mütterliche Rasse ist extrem gefährdet. Als Dreinutzungsrind (Milchvieh, Fleischrind, Arbeitstier) war das Rote Höhenvieh früher mit unterschiedlichen Ausprägungen in mehreren Mittelgebirgsregionen mit rauen Klima und eher kargen Böden beheimatet. In der Regel wird zwischen dem Roten Höhenvieh des Weserberglandes, dem Sauerländer Roten Höhenvieh, dem Harzer Rotvieh und dem Bayerischen Roten Höhenvieh unterschieden (vgl. Slow Food, Arche des Geschmacks).

Durch Ihre Genügsamkeit und Widerstandsfähigkeit eignet sich das Rote Höhenvieh für den Einsatz in der Landschaftspflege. Das Rind ist ein effizienter Futterverwerter und besticht durch hohe Vitalität, gute Fruchtbarkeit und leichte Kalbung. Das Rote Höhenvieh ist rot/rotbraun bis dunkelbraun gefärbt bei gleichmäßig einfarbigem Fell. Die Rinder sind mittelgroß (Bullen bis 1,45 m und 950 kg; Kühe bis 1,40 m und 700 kg), von kräftiger Statur, mit dunklen, harten Klauen. Das Flotzmaul und die Schwanzquaste, ebenso wie die Hörner, sind hell gefärbt.

Geschichte und Gefährdung

Seit dem 18. Jahrhundert wird das Rote Höhenvieh in der Oberpfalz gezüchtet. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbreitete sich die Rasse in ganz Bayern und wurde fortan bis nach England verkauft. Auf Votivtafeln (kirchliche Motivtafeln irdischen Lebens) und Keramiken finden sich Darstellungen von roten und rotbraunen Rindern - aller Wahrscheinlichkeit nach: Rotvieh. Auch die Namen vieler Gasthöfe wie "Zum Roten Ochsen" deuten auf die starke regionale Verwurzelung des Roten Höhenviehs hin.

Um 1900 machte das Rote Höhenvieh in den Mittelgebirgen circa 90 Prozent des Rinderbestandes aus.

Mit fortschreitender Technisierung der Landwirtschaft schrumpften die meisten Bestände regionaler Schläge, weil das Rote Höhenvieh als Arbeitsrind völlig an Bedeutung verlor und es in der Milcherzeugung durch Hochleistungsrassen ersetzt wurde. Die Dreinutzungsrinder wurden in ihren jeweiligen Zucht- und Nutzungsregionen derart verdrängt, dass das Rote Höhenvieh schließlich fast überall vom Aussterben bedroht war. Mitte des 20. Jahrhunderts erhöhte sich der Druck auf das Rote Höhenvieh zunehmend. So betrug der Anteil am gesamten deutschen Rinderbestand 1950 nur noch ein Prozent. Zusätzlich bedroht durch die Einkreuzungen anderer Rassen war das Rote Höhenvieh der 1960er-Jahre aufgrund der mangelnden Konkurrenzfähigkeit gegenüber milchleistungsstärkerer Rassen fast ausgestorben.

1985 war es "5 vor 12" und die einzelnen übriggebliebenen Schläge wurden züchterisch in der "Bundesarbeitsgemeinschaft Rotes Höhenvieh" zusammengefasst, um die Rasse des Roten Höhenviehs zu erhalten.

Regionale Bedeutung

In der nördlichen und mittleren Oberpfalz (in zwei von 100 Bayerischen Genussorten, Moosbach und Tännesberg) haben sich engagierte Züchter dem Erhalt und der Vermarktung des Roten Höhenviehs gewidmet. So zählte man in dieser Region zu Beginn des Jahres 2015 in 22 Betrieben 332 Tiere (128 Kühe und 21 Zuchtbullen). Zum Vergleich: In ganz Bayern gab es damals 25 Betriebe und 380 Tiere der Rasse Rotes Höhenvieh (149 Kühe und 22 Zuchtbullen).

Guter Geschmack

Durch die extensive Haltung und das langsame Wachstum beeindruckt das Rote Höhenvieh durch sein feinfaseriges, dezent marmoriertes, schmackhaftes Fleisch. Detaillierte Informationen sind zu finden unter: www.rotes-hoehenvieh.de/fleischquali.php.

Geschützte Spezialität

Das Rote Höhenvieh ist bundeslandübergreifend ein Passagier der Arche des Geschmacks.

Das internationale Projekt der Slow Food Stiftung für Biodiversität schützt weltweit über 5.000 regional wertvolle Lebensmittel, Nutztierarten und Kulturpflanzen vor dem Vergessen und Verschwinden, die unter den gegenwärtigen ökonomischen Bedingungen am Markt nur schwer bestehen können oder "aus der Mode" gekommen sind.