Ansbach-Triesdorfer Rind

Ansbach-Triesdorfer, Triesdorfer Tiger

Der Tiger unter den Rindern

Ansbach-Triesdorfer sind kleingescheckt und haben ein charakteristisches, dunkel pigmentiertes Flotzmaul. Das Fell weißt Farbstufen auf, die von hellgelb bis dunkelrotbraun variieren. Auch der Anteil an braunen Flecken ist sehr verschieden. Es treten mehrheitlich weiße und mehrheitlich braune Tiere auf. Die wesentlichen äußerlichen Unterscheidungen zum Fleckvieh sind der gefleckte Kopf, der beim Fleckvieh stets weiß ist (ab und an mit dunklen Augen- oder Backenflecken) sowie die kleiner strukturierte Scheckung, die ihm den Spitznamen "Tiger" einbrachte – an dieser Stelle sei bemerkt, dass bei der Spitznamenvergabe unter Umständen eine Verwechslung mit einem Leoparden vorlag, der im Gegensatz zum Tiger tatsächlich die charakteristische Fleckung/Scheckung aufweist.

Der "Triesdorfer Tiger" ist mittelgroß, mit einem kräftigen Fundament und besitzt weit außenstehende, nach hinten gerichtete Hörner und ein dunkles Flotzmaul.

Die Kühe werden bis zu 150 cm groß, mit maximal 700 kg. Bullen können 10 cm größer und bis 1.100 kg schwer werden. Nach Geschlechtsreife sind die Rinder gute Mast- und Milchtiere - bei verhältnismäßig anspruchsloser Futtergrundlage erreichen sie eine Milchleistung von bis zu 5000 kg Milch.

Ursprünglich ein Dreinutzungsrind

Die Klauen des Ansbach-Triesdorfers sind sehr hart. Um auf den klassischen fränkischen, mit Lesesteinen belegten Feldwegen laufen zu können, ohne Klauenschäden davonzutragen, wurde speziell auf dieses Merkmal hin gezüchtet. Im Vergleich zu anderen älteren Rassen wie dem Fleckvieh, welches als Zweinutzungsrasse auf die Fleisch- und Milchproduktion hin gezüchtet wurde, ist der Triesdorfer Tiger (wie bspw. auch das Murnau-Werdenfelser-Rind) ein Dreinutzungsrind zur Fleisch- und Milchproduktion sowie zur Zugarbeit.

Geschmack: hervorragend

Durch extensive Haltung und das langsame Wachstum entwickelt sich hervorragendes, schön marmoriertes Fleisch, das von Spitzenköchen und Metzgermeistern als herb, würzig und nussig beschrieben wird.

Geschichte und Entstehung

Bis ins Jahr 1740 lässt sich Ihre Entstehungsgeschichte zurückverfolgen:

Markgraf Carl Wilhelm Friedrich (der wilde Markgraf) ließ sechs schwarz-weiße Hollandrinder nach Ansbach (Bayerischer Genussort) bringen, um sie in fränkische Landschläge von braunem bzw. rotem Landvieh einzukreuzen.

Dies führte aber nicht zum gewünschten Zuchterfolg, unter anderem weil die ostfriesischen Rinder die karge Futtergrundlage und das raue Klima nicht gut vertrugen. Deshalb orientierte sich der Sohn und Nachfolger des Markgrafen, Carl Alexander, gen Süden und ließ schwarz-weiße Höhenrinder aus der Westschweiz ankaufen.

Die Einkreuzung dieser Rinder in die landestypische Rasse erwies sich als voller Erfolg, sodass im Jahr 1780 weitere 24 schwarz­weiße Kühe und ein Bulle aus Freiburg und dem Kanton Bern eingeführt wurden.

Mit den Tierseuchen in den Jahren 1792 und 1800 (Maul- und Klauenseuche, Lungenseuche) und Vergiftungen durch die Herbstzeitlose ging ein Großteil des Rinderbestandes in Triesdorf verloren. Nach diesen Rückschlägen in der Triesdorfer Zucht wurden, nicht wie vorgesehen im Berner Unterland, im Emmental und Entlebuch, ein Bulle und 17 Kühe angekauft - Tiere mit schwarzbrauner bis weißgrauer Farbe, milchbetont und mit kleinem Körperbau.

Anno 1830 gab es eine erneute Einfuhr von Niederungsrindern aus Jever. 1834 wurde wieder der Erwerb von Simmentaler Zuchtrindern aus der Schweiz sowie ostfriesischem Niederungsvieh verzeichnet - 1836 weitere Viehkäufe in der Steiermark und im Allgäu (1838).

Blütezeit im 19. Jahrhundert - Rückgang und Gefährdung im 20. Jahrhundert

Neben der Milchleistung beeindruckte vor allem das Arbeitsvermögen der Tiere:

Es wird berichtet, dass Ansbach-Triesdorfer Kühe zu zweit landwirtschaftliche Fahrzeuge und Geräte gezogen haben, für die sonst vier Tiere benötigt wurden.

Die Vorzüge der Rinder führten in den Jahren von 1860–1880 zu einer Ausbreitung über Mittel- und Unterfranken hinaus, so dass auch Tiere in Oberfranken und Nordschwaben gehalten wurden. In der Hochzucht um 1896 existierten ca. 190.000 Tiere. Weiter fanden Exporte des Ansbach-Triesdorfer Rindes nach Frankreich und England statt.

Ab 1888 forderte ein neues Körgesetz (Reinzucht) bestimmte Rassemerkmale. Nur der kleingefleckte "Tigertyp" entsprach fortan den Rasseanforderungen.

Die Folge war ein drastischer Rückgang des Bestandes auf 2.500 Tiere, innerhalb von nur 30 Jahren. Parallel wertete die Einführung der Landmaschinen die Arbeitsleistung der Tiere schlagartig ab.

1919 wurde die Zucht der Ansbach-Triesdorfer nur noch von Kleinbauern betrieben. 1925 konnten noch 12 Stiere gekört werden. Einige Kleinbauern Bereich der Uffenheimer Bucht, im Raum Leutershausen, nördlich von Ansbach und im Altmühltal züchteten auch nach dem Ende der offiziellen Zuchtbuchführung weiter.

Seit 1989 erfolgt die Betreuung und Weiterzüchtung von einem Kreis engagierter Landwirte (Mitglieder der GEH - Gesellschaft zur Erhaltung alter Haustierrassen). 1992 wurde ein gemeinnütziger Verein zur Erhaltung des Ansbach-Triesdorfer Rindes e.V. gegründet – gerade noch rechtzeitig, denn das Aussterben war allgegenwärtig.

Wo geht die Reise hin?

Der Bestand der Ansbach-Triesdorfer ist als sehr gefährdet einzustufen, da die Zuchtbasis nur begrenzt erweitert werden konnte. Durch den Fachausschuss zur Erhaltung der genetischen Vielfalt bei landwirtschaftlichen Nutztieren der Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde e.V. wurde die

Empfehlung der Anerkennung als Rasse ausgesprochen. Besonders deshalb, weil ein klares Zuchtziel vorhanden ist.

Derzeit werden in 42 Betrieben Ansbach-Triesdorfer Rinder gehalten (138 Kühe, fünf Bullen; Stand: 2018). Die Mehrzahl der Betriebe und Rinder (36 und 119) leben im Kreis Ansbach. 

Getreu dem Motto "essen und erhalten", bauen derzeit einige Landwirte, Gastwirte, Händler und Metzger eine Erzeuger- und Vermarktungsgemeinschaft für das Tigerrind auf (Stand 09/2018). In mehreren Restaurants und einigen Metzgereien in Mittelfranken sowie in einigen Filialen einer Naturkostkette sind Fleisch- und Wurstwaren aus dem Tigerrind bereits erhältlich.

Geschützte Spezialität

Das Ansbach-Triesdorfer Rind ist ein Passagier der Arche des Geschmacks. Das internationale Projekt der Slow Food Stiftung für Biodiversität schützt weltweit ca. 4.900 regional wertvolle Lebensmittel, Nutztierarten und Kulturpflanzen vor dem Vergessen und Verschwinden, die unter den gegenwärtigen ökonomischen Bedingungen am Markt nicht bestehen oder "aus der Mode" gekommen sind.

Kontakte

Verein zur Erhaltung des Ansbacher-Triesdorfer Rindes e.V.
Lammelbach 5
91567 Herrieden
http://www.ansbach-triesdorfer-rind.de/

Fleischvermarktung und Tiervermittlung: Ursula Pfäfflin Nefian, Tel. 09161/7761
Herdbuchführung und Zucht: Albrecht Strotz, Tel. 0981/48842270
Milchvieh: Michael Engelhardt, tel. 09825/8439