Coburger Bratwurst

Gebraten über einem Feuer aus Kiefernzapfen

Gebraten über einem Feuer aus Kiefernzapfen

Die Coburger Bratwurst besteht aus fettreichem Schweinefleisch und mindestens 15 Prozent Rindfleisch. Sie hat eine grobe Körnung und eine Länge von ca. 25 Zentimetern. Eine Coburger Bratwurst wiegt 85 bis 95 Gramm. Ein Kilogramm Fleisch ergibt somit zehn Bratwürste. Die Zutaten werden erbsengroß gekörnt und in die Schweinebändel abgefüllt.

Das Unverwechselbare an der Coburger Bratwurst ist der Darm, der so genannte "Schleiß" oder "Bändel", in dem die Wurst steckt.


Er ist der - von seiner Fettschicht nicht befreite - Dünndarm vom Schwein. So lässt sich die Wurst braten, ohne auszutrocknen. Traditionell werden die Würste über offenem Feuer gebraten, das mit Kiefernzapfen, den so genannten "Kühla", "Butzkühen" oder "Möckerla", unterhalten und mit einem Blasebalg angefacht wird. Dann isst man sie zu Sauerkraut, deftigem Bauernbrot und einer Maß Bier. Man kann sie aber auch als Brühwurst verwenden.

Das "Bratwurstmännle" wacht über das Rezept

Die genaue Datierung der Entstehung der Coburger Bratwurst ist ein konstanter Streitfall unter fränkischen Chronisten. Sie soll bereits im 15. Jahrhundert erstmals in Coburg erwähnt worden sein. Aus dem ältesten Speisezettel des Coburger Georgenspitals aus dem Jahr 1498 geht hervor, dass von den letzten Schweinen, die für Fastnacht geschlachtet wurden, jedem Coburger Kind und jedem Armen im Spital je zwei Bratwürste gegeben worden sind. Auch das Jahr 1530 gilt als der Moment, wo die Coburger Bratwurst ihr erstes öffentliches Auftreten gehabt haben soll. Hier wird sie in Verbindung mit dem Aufenthalt und der Verpflegung Martin Luthers und des kurfürstlichen Reisezugs genannt. 1623 erließ Herzog Casimir eine Taxordnung, nach der die Bratwurst nur 4,5 Pfennige kosten durfte und vier Stück zusammen ein Pfund wiegen mussten. Der heilige Mauritius, Schutzpatron von Coburg und dessen St.-Moritz-Kirche sind im Laufe der Jahre zum Signum der Stadt geworden. Seit 250 Jahren steht er auf dem Rathausdach über der Uhr, doch erkennt man ihn nicht als Heiligen oder hohen Fürsten, sondern als lustiges "Bratwurstmännle", wie ihn die Coburger liebevoll nennen. Ihrer Meinung nach wacht er über die Herstellung ihrer Spezialität.

Die Schriftrolle, die er anstelle eines Zepters in seiner Rechten hält, wird von den Einheimischen als "Wurstmaß" angesehen, damit die Coburger Meister die Bratwürste nicht zu klein ausfallen lassen mögen.


Der Komponist Karl Friedrich Zelter schrieb in einem Brief an seinen Freund Johann Wolfgang von Goethe am 10. Oktober 1827 aus seinem Hotel am Marktplatz: "Seit heute früh 6 Uhr werden hier vor meinem Fenster, auf dem Platz, auf zehn verschiedenen Feuern, Würste gebraten; sollte dies Blatt danach duften, so weißt Du, woher es kommt. Es sollen hier auf den zwei Markttagen jede Woche an die 10.000 Würste gebraten werden, das wäre auf jede Coburger Seele eine Wurst pro Woche." Kurz vor dem Ersten Weltkrieg war ganz Coburg auf den Beinen, um gegen den neuen Bratwurstpreis zu protestieren. Dieser sollte sich um einen Pfennig auf 13 Pfennig für die Semmel mit Bratwurst erhöhen.