Rhönschaf

Kleine, harte Klauen - und eine römische Nase

Das eher großwüchsige Rhönschaf ist speziell den rauen Gebirgsbedingungen der Rhön angepasst. Die langen, weißen Beine enden in kleinen, harten Klauen - perfekt für das felsige Terrain.

Charakteristisch ist das Gesicht des Rhönschafs: ein schlanker, hornloser Kopf mit schwarzem Gesicht und römischem Nasenprofil.


Der Körper ist erst hinter den Ohren mit grober, wenig gekräuselter und elastischer Wolle bedeckt. Die Tiere sind 72 bis 85 Zentimeter hoch und werden 60 bis 95 Kilogramm schwer. Das Rhönschaf zeichnet sich durch die harten Klauen, gute Marschfähigkeit und problemlose Ablammung aus. Diese Eigenschaften machen es geeignet für den Einsatz in der Landschaftspflege. So werden heute insbesondere die Borstgrasrasen in den Hochlagen der Mittelgebirge (z. B. Rhön) und Streuobstwiesen in mittleren und tieferen Lagen von Rhönschafen beweidet und gepflegt.

Das Rhönschaf ist eine der ältesten deutschen Schafrassen und mindestens seit dem 16. Jahrhundert in der Rhön verbreitet. Vor allem die süddeutschen Adelshöfe, Klöster und flämischen Wollhändler waren an seiner Verbreitung interessiert. Berühmt wurden die Schafe, als Napoleon – bei seinem Rückzug 1813 in der Rhön aufgehalten – von ihrem Fleisch zu essen bekam und so begeistert war, dass er den Import von Schlachttieren durch Wanderherden von der Rhön bis nach Paris veranlasste.

Das Fleisch der Tiere war danach so begehrt, dass das Rhönschaf wohlklingende Namen wie "mouton de la reine" (königliches Schaf) bekam.


Im Jahr 1861 erreichte die Schafhaltung in Deutschland ihren Höhepunkt mit ca. 28 Millionen Schafen. Viehseuchen und daraus resultierende Einfuhrbeschränkungen beendeten den Handel 1878 plötzlich. Damit begann der Niedergang des Rhönschafs. In den 50er und 60er Jahren war es vom Aussterben bedroht - die bäuerlichen Dorfschäfereien und Schafhaltergenossenschaften verschwanden. Nachdem das Rhönschaf 1975 zu einer "gefährdeten Haustierrasse" erklärt worden war und finanzielle Förderung erfolgte, stabilisierten sich die Bestände wieder. Heute weiden wieder rund 4.000 Rhönschafe in der Rhön, dennoch zählt die Rasse nach wie vor zu den gefährdeten Haustierrassen.

Das Fleisch von Lamm und Schaf ist durch das langsame Wachstum relativ kurzfaserig und daher zart. Durch das reiche Kräuterangebot der kargen Wiesen erhält es zusätzlich einen leichten Wildgeschmack, der beim Lamm fein und zart, beim Schaf und Hammel ausgeprägter und würziger zur Geltung kommt. Es hat einen hohen Anteil an Vitaminen (A, B und C) sowie Mineralstoffen. Einige Rhöner Metzger werden gerühmt für ihre Würste und Schinken und bieten inzwischen gesuchte Lammspezialitäten an: geräucherte Schinken und Salami sowie Leberwurst, weißen Presssack und Rotwurst. Viele regionale Gastronomen haben alte Rhönschafgerichte wiederentdeckt oder sogar neue Spezialitäten geschaffen; bei Gasthöfen der Wirtevereinigung "Aus der Rhön, für die Rhön" gehören Gerichte vom Rhönschaf zum täglichen Angebot. 

Das Rhönschaf ist ein Passagier der Arche des Geschmacks. Das internationale Projekt der Slow Food Stiftung für Biodiversität schützt weltweit über 2.000 regional wertvolle Lebensmittel, Nutztierarten und Kulturpflanzen vor dem Vergessen und Verschwinden, die unter den gegenwärtigen ökonomischen Bedingungen am Markt nicht bestehen oder "aus der Mode" gekommen sind.